Wenn Leidenschaft Leiden schafft
______
Durch die Leidenschaften lebt der Mensch,
durch die Vernunft existiert er bloss.
Nicolas Chamfort
Oder um es mit den Worten Marco Büchels, Ex-Skirennfahrer, zu sagen: „Das Ziel ist wohl,
nicht mehr einen Ersatz zu suchen für das, was war, sondern nach vorne
zu schauen und glücklich zu sein über das, was man hat.“ Recht hat er.
Vor einigen Jahren schon wollte ich von die schöne
5-Seen-Wanderung im Pizolgebiet machen. Immer kam etwas dazwischen, oder das Wetter stimmt nicht, es klappte einfach nicht. Seit letztem Samstag war ich der Überzeugung, jetzt ist die ideale Zeit und das sichere Wetter, um am Montag diese Wanderung zu machen.
Seit über zwei Jahren waren meine hohen Wanderschuhe unbenutzt, denn für weniger anspruchsvolle Wanderungen reichen die "kleineren" Bergschuhe ja aus. Die Route habe ich gut geplant und mehr Zeit einberechnet, denn ich wollte ja Pausen einlegen und die Bahn ins Tal wieder erreichen. Vor lauter Vorfreude hatte ich schlecht geschlafen und bin aber trotzdem pünktlich angekommen, um mit der ersten Bahn hoch zu fahren. Bis ganz nach oben dauert die Fahrt 1 Stunde und es sind drei Sektionen.
Ohne Halt marschierte ich von der Bergstation Pizolhütte, 2224 m, gleich los Richtung Wildseeluggen
(Wildseelücke) auf 2493 m ü.M. Ist das ein wunderbares Gefühl in dieser Bergwelt, diese Ruhe, diese Luft, diese Pflanzenwelt .....und einfach einen Fuss vor den anderen zu setzen und den Weg gehen. Im Rucksack genug Getränk und das Picknick, schliesslich gibt es unterwegs keine Einkehrmöglichkeit, Natur pur und das über der Baumgrenze. Ich war nicht allein unterwegs, viele machten sich auch denselben Weg.

Mein Ziel vor den Augen ging es Richtung Wildseeluggen. Die ersten Schneefelder habe ich überquert und es ging im Zickzack den Berg hoch. Da schon bermerkte ich, dass meine Gelenksoperationen mich in der Fitness auf solcher Höhe mehr zurück geworfen haben, als ich wahr haben wollte. Ich freute mich so darauf und dachte, dass mein Wille schon ausreichen würde, um Berge zu versetzen. Oben angekommen, verdeckten Nebelschwaden die Sicht auf die andere Seite und den Schottensee. Mein Verstand sagte mir nun, das macht so keinen Sinn, ich kehre um. Es gibt auf diesem Rundweg keine Abkürzung und der Weg geht über 660 Höhenmeter aufwärts und abwärts auch 1050 m.
Schliesslich wollte ich kein Risiko eingehen und nach einer kurzen Rast ging ich wieder den Berg hinunter.
Ein Blick zurück. Logisch war ich auch enttäuscht. Mein starker Wille hat dieses Mal nicht ausgereicht, die Vernunft hat gesiegt. Aber ich habe da schon wieder meine Leidenschaft für die Berge gespürt. Im Flachland schaffe ich es locker stundenlange und viele Kilometer zu wandern, aber auf dieser Höhe ist das anders.
Schon beim Aufstieg bemerkte ich die schöne Pflanzenwelt und nun hatte ich dafür genug Zeit zu fotografieren.
Verschiedene Enziane, Alpenrosen, Soldanellen, Pilze
(Ring-Düngerling, Panaeolus semiovatus var. semiovatus) und sogar ein Schwarzes Männertreu
(Nigritella nigra) habe ich u.a. entdeckt.
Im Hintergrund die Churfirsten
Als ich bei der Pizolhütte zurück war wollte ich wenigstens den Weg hinunter gehen bis zur Station Gaffia, auf 1861 m. So schaffte ich trotz allem einige Höhenmeter hinauf und hinunter zu wandern. Bei der Alten Alp Gaffia genehmigte ich mir einen feinen Pizol Kaffi und war trotzdem ganz zufrieden mit meinem Tag.
Wer weiss, vielleicht im nächsten Jahr wieder.
Alles erwähnte hier ist ohne bezahlte Werbung!
__________________________